Interview eines Schauspielers

Als Portraitfotograf in München

30. Mai 2017

 

Vor nicht all zu langer Zeit hatte ich die Gelegenheit Maximilian vor meiner Kamera zu haben. Wir lernten uns Anfang des Jahres beim Carl Lämmle Produzentenpreis kennen, arrangierten Wochen später ein Shoot und daraus entstand dieses Interview….

Was hat dich dazu bewegt, Schauspieler zu werden?

Ich hatte als Kind schon die Tendenz dazu Geschichten zu erzählen und zu imaginieren. Einfache Erklärungen konnten mich nicht befriedigen. Ich stellte unheimlich viele Fragen und wollte möglichst alles ausprobieren. Dadurch, dass ich mit sehr unterschiedlichen Menschen aufwuchs und viel Zeit im Ausland verbrachte (Asien, USA und Europa) konnte „und musste“ ich viel von anderen lernen. Nach wie vor spüre ich dieses Bedürfnis. Die Schauspielerei bietet mir diese Möglichkeit, da es unbeschreiblich ehrliche Momente sind, die man mit seinen Charakteren teilt. Sie geben mir nicht nur als Schauspieler, sondern auch privat die Möglichkeit, meine Mitmenschen besser zu verstehen. Als Schauspieler bin ich eine Art Musikinstrument mit Seele. Ich gebe den Menschen eine Projektionsfläche, oder sogar eine Identifikationsfigur.

Hast du direkt nach der Schule die Schauspielerei gelernt oder hast du zuerst eine andere Ausbildung absolviert?

Nach meinem Abitur habe ich viele Praktika absolviert, 2 Jahre Jura studiert und im Bereich des Medienmanagements Erfahrungen sammeln können. All diese Erfahrungen verfestigten meinen Willen die Schauspielerei zu erlernen. Ich wollte einfach Verschiedenes lernen und konnte mich nicht auf eine Sache festlegen.

Was haben deine Eltern zu deiner Berufswahl gesagt?

Sie sind Unterstützer und Förderer, waren aber nie „Ja Sager“, sondern charismatische Persönlichkeiten mit einer Meinung.

Das bedeutet mir unheimlich viel, weil es der Freiheit entsprungen ist und für mich trotzdem mit Überzeugungsarbeit verbunden war. Arbeit und Beständigkeit sind ein großer Teil dieser Überzeugungsarbeit.

 Wie bist du zu den ersten Rollen gekommen?

Ich wurde zufällig für eine Nachmittagsserie gecastet. Damals wollte ich eigentlich nur als Komparse Geld für meine Abiturreise verdienen. Schwieriger war die Zeit, nachdem ich die Schauspielerei an der Stella Adler Academy in Los Angeles erlernt hatte und nichts anderes mehr wollte, als zu spielen. Ich fing bei Null an und stellte mir mit Studentenfilmen mein erstes Demoband zusammen.

Was war deine Lieblingsrolle?

Immer die, die ich gerade spiele. Aber natürlich werde ich gerne gefordert.

Welche Rolle würdest du gerne spielen?

Es gibt noch wahnsinnig viele Menschen und Geschichten, die mich inspirieren.

Was war deine erfolgreichste Rolle?

Wahrscheinlich die Rolle als Privatperson, denn es ist die schwerste Rolle. Jede Rolle und jeder Charakter kann nur so groß sein, wie der Mensch der sie spielt.

Spielst du lieber fürs Fernsehen? Im Theater? In Kinofilmen?

Alles hat seinen Reiz! Ich war aber schon immer sehr wählerisch in meiner Auswahl. Diese drei Sparten sind ja „nur Kanäle“, die eine unterschiedliche Resonanz ermöglichen. Ausschlaggebend ist für mich aber die Qualität des Buches, die Intention, die Arbeitsweise und die Leute mit denen ich arbeite.

Woher kommst du? Wie bist du aufgewachsen? Stadt?/ländlich?/Geschwister?

Ich wuchs zunächst auf einem Bauernhof auf, wo sich meine Eltern ein großes Haus mit anderen teilten. Die verschiedenen Tiere und Menschen waren ein Kinderparadies. In Sweet Water of Memory verwendeten wir teilweise Bilder aus dieser Zeit. Irgendwann zog es uns dann in die Stadt. Die Schule wollte besucht werden und ein neuer Abschnitt des Lebens begann.

Ich habe einen Bruder, der mich immer wieder überrascht und inspiriert.

Wie lange lebst du schon in München? Wie lange möchtest du noch bleiben?

Schon zu lange und anscheinend noch nicht lange genug. München wird immer meine Heimat bleiben, aber ich könnte nicht ohne den Rest der Welt leben. Unsere heutige Zeit unterliegt, gefühlt,einem ständigen Wechsel. Konstanten kann ich mir nur im Innerenschaffen. Ortswechsel sindTeil meiner Inspiration. München bietet mir, als Heimat, eine optimale Basis.

Welche Hobbys hast du? Bleibt neben der Arbeit noch Zeit dafür?

Manchmal kommen Hobbys zu kurz, aber ich merke es meist rechtzeitig. Naja, manchmal auch nicht. Dafür habe ich dann Freunde, die ehrlich mit mir sind und auf Stopp drücken.  Als Schauspieler verfließen Privat- und Berufsleben sehr oft, was es nicht ganz einfach macht. Ich liebe Sport, Philosophie, Sprachen, Bücher, Musik und Psychologie und versuche ein Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele aufrecht zu erhalten. Klingt abgehoben, aber so kann ich es mir selbst am besten erklären.

Was hat dich dazu bewegt, das Shooting mit mir zu machen?

Ich empfand eine persönliche Verbindung zu dem Menschen Rico und konnte auch seine Fotos spüren. Also ließen wir uns gemeinsam auf dieses spontane Projekt ein.

Wofür kannst du die Bilder verwenden?

Um Fremden eine Momentaufnahme und einen ersten Eindruck von mir zu geben. Fotos spiegeln für mich immer eine Chemie zwischen Fotograf und Portraitiertem wieder.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Ich habe immer Träume und Vorstellungen, aber ich denke heute nicht mehr in Jahren. Ich bin mit Dreißig an meinen scheinbaren Vorhaben gescheitert und habe dafür vieles geschafft, dass bis dahin nicht Teil meiner Vorstellung war. Von da an habe ich mir vorgenommen leichter mit mir selbst umzugehen und einfach jeden Tag mein Bestes zu geben. Wenn ich Brücken zwischen Menschen bauen kann, habe ich meine Arbeit gut gemacht.

Was sind deine Ziele, Wünsche und Träume für die Zukunft?

Ich will mir selbst treu bleiben, vieles kreieren und auch andere Menschen auf ihrem Weg unterstützen. Abenteuer und Herausforderungen sind mir sehr wichtig. Ebenso wie geliebte Menschen!

Ich würde mir wünschen, dass wieder mehr Wert auf Inhalte gelegt wird.

Wir leben in zwiespältigen Zeiten. Einerseits existiert mehr Luxus als je zuvor und doch habe ich das Gefühl, dass uns dieser Luxus nicht unbedingt glücklicher gemacht hat. Natürlich sage ich das im Bewusstsein dessen, dass ich in einem der reichsten Ländern der Erde aufgewachsen bin. Stetig rasantes Wachstum kann auf Dauer nicht funktionieren. Der Mensch ist zwar unheimlich anpassungsfähig und flexibel, aber wir sind keine Roboter, sondern leben von der Emotion. Und diese Emotion muss Eindrücke zunächst verarbeiten. Das braucht Zeit.

Freiheit wird immer öfter mit der Weitergabe von Verantwortung und Verpflichtung verbunden. Es ist aber letztendlich eine Tatsache, dass wir uns kontinuierlich vermehren. Freiheit kann also nicht bedeuten, zu tun was man möchte und nur auf sich selbst und seine Bedürfnisse zu schauen. Es braucht gemeinsame Ziele. In einer Demokratie ist jeder einzelne dafür verantwortlich sich selbst zu informieren und seine Rechte wahr zu nehmen. Ich bin ein großer Fan von Allgemeinbildung und kann schwer verstehen, wenn mir jemand sagt, dass der einzelne Mensch keine Rolle spielt.  Ein gebildeter Mensch mit Selbstvertrauen ist meist friedlicher und lernfähiger. Es wäre schön, wenn wir in naher Zukunft einen besseren Ausgleich auf der Welt schaffen würden.

THX MAX 🙂